Outline, MACBA Barcelona, Spanien

Outline war Teil eines Projektes, das gleichzeitig von vier Museen an vier Orten veranstaltet wurde und temporäre Interventionen von jeweils vier Architekturbüros zum Inhalt hatte. In Barcelona wurde der Aktionsraum auf die im Zuge der Errichtung des Museums für Zeitgenössische Kunst neu entstandene Plaça dels Angels verlegt, die im sozial schwachen, innerstädtischen Quartier Raval liegt. Das Projekt bestand aus einer doppelten, in regelmäßigen Abständen unterbrochenen, gelben Linie, die auf einer absoluten Höhe von drei Metern an allen platzbegrenzenden Oberflächen inklusive der ersten Stützenreihe im Inneren des Museums aufgebracht wurde. Diese einfache Maßnahme war auf mehreren inhaltlichen und räumlichen Ebenen interpretierbar, so dass daraus – auch in Verbindung mit den Arbeiten der anderen Teams – ein dichtes Netz an Bedeutungen entstand. Der unmittelbarste Effekt war die Sichtbarmachung des erst kurz existierenden, noch unvertrauten, städtischen Platzes, die Ablesbarkeit seiner Dimensionen und die Überlagerung seiner räumlichen und sozialen Heterogenität durch das zusammenfassende Element der Linie. Neben der Ausdehnung der Plaça beschreibt Outline auch ihre Topografie und stellt dadurch einen Bezug zwischen den Passanten und den Eigenschaften der Fläche, die jene betreten, her. Ein weiterer Gesichtspunkt der Intervention betrifft die Behandlung und die Bedeutung von Oberflächen im öffentlichen Raum als Platz für Botschaften, Symbole, Zeichen – ob legale Beschriftungen, subkulturelle Graffitis oder politische Parolen – und deren Recodifizierung zur Schaffung einer neuen Wahrnehmung des Raumes. Zusätzlich trägt die Verwendung eines grafischen Codes aus dem Bereich der Straßenmarkierungen eine wiederholte Zweideutigkeit in sich: über Farbe und Proportion entziffern wir den doppelten Strich sofort als Sperrlinie, die nicht überfahren oder überragt werden darf. Ihre Unterbrechung signalisiert jedoch eine Durchlässigkeit, die sich über die symbolische Grenze hinwegsetzt und eine eigentlich unzulässige Verbindung herstellt. Die Applizierung von Straßenmarkierungslinien auf vertikalen Flächen bewirkt die Überlagerung des gewohnten Straßenbildes mit einem Netz weitgehend informeller Übereinkünfte in der Stadt und schärft erneut den Blick auf den öffentlichen Raum als Ort ständiger Interventionen.

Eva Guttmann