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Literaturhaus
/ Franz Nabl Institut Graz, Steiermark
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Literatur
in Graz. Diese Verbindung besteht seit Jahrzehnten und hat der Stadt
nicht nur den Ruf eingebracht, Zentrum engagierten literarischen
Geschehens in Österreich zu sein, sondern wurde auch auf gesellschaftspolitischer
Ebene immer wieder thematisiert und diskutiert. Das bizarre Aufeinandertreffen
lokaler Bodenständigkeit und avantgardistischen Schriftstellertums
in einer Stadt, deren Selbstverständnis sich in hohem Maß aus
ihrer südlichen, stark in den oberitalienischen Raum orientierten
Lage ergibt, trägt immer noch Früchte und hatte zur Folge,
dass im Jahr 2000 von der Stadtverwaltung ein Wettbewerb zur Errichtung
eines eigenen Literaturhauses im Bereich des bestehenden ”Kulturhauses”,
eines Palais aus dem 19. Jahrhundert, veranstaltet wurde. Das ”Kulturhaus” verfügt über
einen L-förmigen Grundriss, dessen längerer Flügel
an einer breiten, stark befahrenen Strasse liegt, während der
kürzere Teil in eine Seitengasse reicht. Es wurde auf diese
städtebauliche Situation mit der Bebauung des Hofes reagiert,
wodurch sowohl der Bestand als auch der dazugehörende, etwas
tiefer liegende parkähnliche Garten südlich des Palais
von baulichen Maßnahmen frei gehalten werden konnte und einer
Verdichtung – in Analogie zur inhaltlich verdichtenden Funktion
des Literaturhauses als Schnittstelle zwischen Praxis, Dokumentation,
Forschung und Öffentlichkeit – der baulichen Struktur
des Ortes. Der Neubau besteht aus zwei gelb pigmentierten Sichtbetonkörpern:
Einem flachen Kubus, die den Grundriss des Bestandes, wo Büro-
und Bibliotheksnutzungen untergebracht sind, bis zur Höhe des
Eingangsgeschoßes zum Rechteck schließt und den Veranstaltungssaal,
dessen Südfassade sich zu einem im Bezug zum Garten noch einmal
tiefer gelegten Platz mit Sitzstufen öffnet, beherbergt. Sie
dient als Sockel für einen schmäleren, zweigeschoßigen
Kubus, der das L des Bestandes bis auf einen schmalen Spalt, in dem
ein gläserner Lift die Verbindung herstellt, zu einem U schließt
und ein Cafe auf der unteren, sowie das Archiv auf der oberen Ebene
beinhaltet. Auf dem Dach des Sockelgebäudes entsteht dadurch
eine hochwertige Terrasse, die sowohl die äußere Verbindung
zwischen höher gelegenem Palais und abgesenktem Veranstaltungssaal
bzw. Garten herstellt, als auch Sitzgarten mit Parkblick für
das Cafe-Publikum ist. Aus der klaren Positionierung der beiden neuen
Baukörper, ihrer materiellen und farblichen Homogenität
und den diversen Niveauunterschieden und Bezugsflächen ergibt
sich vor dem Hintergrund des Bestandes und des städtebaulichen
Kontexts ein genau ausbalanciertes Gleichgewicht, das das eingangs
erwähnte Verhältnis zwischen der Stadt und der Literatur
wiederspiegelt – ein Verhältnis, das vom Aufeinandertreffen
extrem unterschiedlicher Komponenten lebt und in Summe ein überraschendes,
vitales Ganzes ergibt. Eva Guttmann | |